Autismus
Abgrenzung zur Psychotherapie und Medizin (Psychologische Testung)
Psychologische Testung und fachliche Einschätzung (keine medizinische Diagnosestellung)
Im Rahmen unserer Leistungen bieten wir eine wissenschaftlich fundierte psychologische Testung und diagnostische Einschätzung in den Bereichen ADHS, Autismus-Spektrum sowie Intelligenzdiagnostik an.
Wichtiger Hinweis zur Abgrenzung:
Wir führen keine medizinische oder heilkundliche Diagnosestellung durch. In Deutschland dürfen gesicherte Diagnosen bei klinischen Störungsbildern (z. B. ADHS, Autismus-Spektrum-Störung) ausschließlich durch approbierte psychologische Psychotherapeut:innen oder Ärzt:innen gestellt werden.
Unsere Leistung umfasst daher:
- die Durchführung standardisierter testpsychologischer Verfahren
- die fachliche Auswertung und Interpretation der Ergebnisse
- die Erstellung eines schriftlichen Befundberichts mit einer fundierten psychologischen Einschätzung
Auf Basis dieser Testung formulieren wir eine fachliche Einschätzung bzw. einen diagnostischen Verdacht.
Diese stellt keine medizinisch gesicherte Diagnose dar und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung.
Verwendung der Ergebnisse:
Der erstellte Befundbericht kann von Ihnen freiwillig bei entsprechend qualifizierten Fachpersonen (Ärzt:innen oder psychologischen Psychotherapeut:innen) vorgelegt werden und dort als ergänzende Informationsgrundlage dienen.
Bitte beachten Sie:
- Ob und in welchem Umfang externe Fachpersonen unsere Einschätzung berücksichtigen, liegt ausschließlich in deren fachlicher Entscheidung.
- Eine anschließende Diagnosesicherung kann nicht garantiert werden.
- Es besteht kein Anspruch darauf, dass unsere Ergebnisse zu einer medizinischen Diagnose führen.
Intelligenzdiagnostik:
Die Durchführung und Befundung von Intelligenztestungen erfolgt unabhängig hiervon und stellt eine eigenständige psychologische Leistung dar, die keiner zusätzlichen medizinischen Bestätigung bedarf.
Welche Vorteile bietet die psychologische Testung und Einschätzung?
Fachlich fundierte Ersteinschätzung
Sie erhalten eine wissenschaftlich basierte Einschätzung Ihres Anliegens durch qualifizierte Fachpersonen aus der Psychologie. Dies kann helfen, eigene Beobachtungen besser einzuordnen und Klarheit über einen möglichen weiteren Abklärungsbedarf zu gewinnen.
Zeitnahe Terminvergabe
Aufgrund der hohen Nachfrage und begrenzter Kapazitäten im medizinischen Versorgungssystem kommt es häufig zu langen Wartezeiten. Unsere Testung kann eine zeitnahe erste Orientierung ermöglichen.
Selbstbestimmter Umgang mit Ergebnissen
Der Befundbericht wird ausschließlich Ihnen zur Verfügung gestellt. Sie entscheiden eigenständig, ob und bei wem Sie diesen weiter verwenden.
Individuelle Beratung
Auf Basis der Ergebnisse bieten wir Ihnen eine individuelle Einordnung sowie Hinweise zu möglichen nächsten Schritten.
Verbesserte Vorbereitung auf weitere Abklärung
Die strukturierte Aufbereitung Ihrer Symptomatik kann Gespräche mit Ärztinnen oder Therapeutinnen erleichtern und zielgerichteter machen.
Psychoedukation und Verständnis
Die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen kann dazu beitragen, eigene Erlebens- und Verhaltensweisen besser zu verstehen und einzuordnen.
Hinweis:
Unsere Leistungen stellen keine Therapie dar und ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
Kombination mehrerer psychologischer Testungen
Zwischen den Phänomenen ADHS, Autismus-Spektrum und Hoch- bzw. Höchstbegabung bestehen teilweise inhaltliche Überschneidungen. Ähnliche Verhaltensweisen können dabei auf unterschiedliche zugrunde liegende Prozesse zurückzuführen sein.
Im Rahmen einer psychologischen Testung und fachlichen Einschätzung ist es daher sinnvoll, relevante alternative Erklärungsansätze mitzudenken und bei Bedarf ergänzend zu berücksichtigen.
Ein häufig genanntes Beispiel ist der Umgang mit Smalltalk:
Sowohl autistische als auch hoch- bzw. höchstbegabte Personen können dazu neigen, Smalltalk zu vermeiden – jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Während bei autistischen Personen beispielsweise Schwierigkeiten in der sozialen Einordnung oder ein geringeres Interesse an solchen Gesprächsformen eine Rolle spielen können, empfinden hochbegabte Personen Smalltalk mitunter als inhaltlich wenig anregend oder oberflächlich.
Dieses Beispiel verdeutlicht, dass beobachtbares Verhalten allein nicht ausreicht, um eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen. Eine differenzierte Betrachtung möglicher Hintergründe ist daher ein zentraler Bestandteil der psychologischen Testung.
Individuelle Fragestellung im Mittelpunkt
Je nach Ausgangsfrage kann es sinnvoll sein, mehrere relevante Bereiche in die Testung einzubeziehen, um ein möglichst differenziertes Gesamtbild zu erhalten. Dies erfolgt jedoch stets orientiert an der individuellen Situation und wird vorab gemeinsam abgestimmt.
So kann beispielsweise im Rahmen einer Testung mit Fragestellung Autismus ergänzend eine Testung im Bereich ADHS sinnvoll sein, um Überschneidungen und Unterschiede besser einordnen zu können.
Auch kognitive Aspekte können – je nach Fragestellung – durch ein Intelligenzscreening oder eine ausführlichere Intelligenztestung berücksichtigt werden, insbesondere wenn Hinweise auf besondere kognitive Profile vorliegen.
Wichtiger Hinweis:
Die im Rahmen der Testung gewonnenen Erkenntnisse dienen der fachlichen Einordnung und stellen eine psychologische Einschätzung dar. Sie ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnosestellung.
Asperger, frühkindlicher, atypischer oder doch einfach nur die Autismus-Spektrum-Störung?
Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) wird in dem Klassifikationsmanual ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als tiefgreifende Entwicklungsstörung beschrieben. In der ICD-10 wurde noch eine Klassifikation unterschiedlicher Autismus-Formen vorgenommen. So gab/gibt es den frühkindlichen Autismus, das Aspeger-Syndrom und den atypischen Autismus (BfArM, 2023; Schnell, 2016). In der aktuellen Version des Klassifikationssystems, der ICD-11 wird diese Unterteilung in unterschiedliche Autismus-Formen nicht mehr vorgenommen. Dort werden alle Autismus-Formen zu dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung zusammengefasst (ICD-11, 2023; Schnell, 2016).
Dies geschah vor allem, weil eine valide Abgrenzung der einzelnen Formen von Autismus schwierig war und somit eine Perspektive der Dimensionalität geschaffen wurde (Vogeley, 2015; Ehret & Berking, 2013).
Da die neue Version des Klassifikationssystems, der ICD-11, jedoch noch nicht final verabschiedet ist, besteht aktuell noch die Freiheit die Diagnostik und Klassifikation auch nach der ICD-10 durchzuführen. Es wäre somit möglich sowohl Diagnosen für das Asperger-Syndrom, den frühkindlichen Autismus, den atypischen Autismus, als auch allgemein für die Autismus-Spektrum-Störung zu stellen.
Wir orientieren uns in der Klassifikation an der ICD-11 und äußern einen Verdacht für die Autismus-Spektrum-Störung im Rahmen der psychologischen Diagnostik.
Was ist Autismus?
Die ASS kann sich in vielen unterschiedlichen Erlebens- und Verhaltensweisen zeigen. Die Kernkriterien der Klassifikation und Diagnosestellung bei einer ASS sind hingegen klar eingrenzt. Zu diesen zählen, die Störungen in der Interaktion, Störungen der Kommunikation sowie repetitive und stereotype Verhaltensweisen (BfArM, 2023; BfArM, o. D.).
Symptome - Wie zeigt sich Autismus?
Das erste Kriterium umfasst das Bestehen anhaltender Defizite bei der Initiierung und Aufrechterhaltung sozialer Kommunikation und wechselseitiger sozialer Interaktionen, die bei Berücksichtigung des Alters und dem Niveau der intellektuellen Entwicklung der Person, außerhalb des erwarteten Bereichs des typischen Funktionierens liegen (ICD-11, 2023).
Spezifische Manifestationen dieser Defizite variieren je nach Alter, verbalen und intellektuellen Fähigkeiten sowie dem Schweregrad der Störung.
Symptome, die sich in diesem Kontext in Form von Einschränkungen manifestieren können, sind:
- Verständnis, Interesse, angemessene Reaktionen auf die verbale oder nonverbale soziale Kommunikation anderer sind eingeschränkt (ICD-11, 2023).
- Integration der gesprochenen Sprache mit typischen komplementären nonverbalen Hinweisen wie Augenkontakt, Gestik, Mimik und Körpersprache sind eingeschränkt oder in der Häufigkeit und Intensität reduziert (ICD-11, 2023).
- Einschränkungen beim Verstehen und Gebrauch von Sprache in sozialen Kontexten und in der Fähigkeit soziale Gespräche zu initiieren und aufrechtzuerhalten (ICD-11, 2023).
- Defizite im sozialen Bewusstsein, welches zu einem Verhalten führt, das dem sozialen Kontext nicht adäquat angepasst ist (ICD-11, 2023).
- Fähigkeit, sich die Gefühle, emotionalen Zustände und Einstellungen anderer vorzustellen und darauf zu reagieren, sind eingeschränkt (ICD-11, 2023).
- Gegenseitiges Teilen von Interessen ist eingeschränkt (ICD-11, 2023).
- Beeinträchtigungen in der Fähigkeit, typische Beziehungen mit Gleichaltrigen aufzubauen und aufrechtzuerhalten (ICD-11, 2023).
Das zweite Kriterium beinhaltet anhaltend eingeschränkte Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten, die sich wiederholen und unflexibel sind. Diese können für das Alter und den soziokulturellen Kontext der Person untypisch oder übertrieben erscheinen (ICD-11, 2023).
Zu den Symptomen dieses Kriteriums gehören folgende Einschränkungen:
- Mangelnde Anpassungsfähigkeit an neue Erfahrungen und Umstände mit damit verbundenem Leid, das durch triviale Veränderungen einer vertrauten Umgebung oder als Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse hervorgerufen werden kann (ICD-11, 2023).
- Unflexibles Festhalten an bestimmten Routinen; diese können beispielsweise geografisch sein, wie z. B. das Folgen vertrauter Routen, oder ein genaues Timing erfordern, z. B. Essenszeiten oder Transport (ICD-11, 2023).
- Übermäßige Einhaltung von Regeln (ICD-11, 2023).
- Exzessive und hartnäckige ritualisierte Verhaltensmuster (z. B. Beschäftigung mit dem Anordnen oder Sortieren von Objekten auf eine bestimmte Art und Weise), die keinem offensichtlichen externen Zweck dienen (ICD-11, 2023).
- Wiederholte und stereotype motorische Bewegungen, wie Ganzkörperbewegungen (z. B. Schaukeln), atypische Gangart (z. B. Gehen auf Zehenspitzen), ungewöhnliche Hand- oder Fingerbewegungen und Haltungen. Diese Verhaltensweisen treten besonders häufig in der frühen Kindheit auf (ICD-11, 2023).
- Anhaltende Beschäftigung mit einem oder mehreren besonderen Interessen, Teilen von Objekten oder bestimmten Arten von Reizen (einschließlich Medien) oder eine ungewöhnlich starke Bindung an bestimmte Objekte (ICD-11, 2023).
- Lebenslange übermäßige und anhaltende Überempfindlichkeit oder Unterempfindlichkeit gegenüber Sinnesreizen oder ungewöhnliches Interesse an einem Sinnesreiz, der tatsächliche oder erwartete Geräusche, Licht, Texturen (insbesondere Kleidung und Lebensmittel), Gerüche und Geschmäcker, sowie Hitze, Kälte oder Schmerz umfassen kann (ICD-11, 2023).
Kognitive Kompensation
Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) geht häufig mit Defiziten in der intellektuellen Leistungsfähigkeit einher. Menschen mit ASS, die hochfunktional sind und somit nicht von Einschränkungen in der intellektuellen Leistungsfähigkeit betroffen sind, können durch kognitive Kompensationen bestehende Defizite der sozialen Interaktion und Kommunikation teilweise auszugleichen (Schnell, 2016). Die Symptome sind je nach Schweregrad der Störung gleich stark ausgeprägt. Betroffene Menschen, die jedoch keine Einschränkungen in den intellektuellen Fähigkeiten aufweisen oder sogar (hoch/höchst-)begabt sind, können diese Symptome ausgleichen, indem sie die Regeln und Normen hinter den Konstrukten der sozialen Interaktion und Kommunikation bewusst erlernen (Livingston et al., 2020).
Dies kann dazu führen, dass ein hochangepasstes Leben stattfindet, in dem die Besonderheiten im Erleben für die Außenwelt nicht direkt sichtbar werden. Die Fähigkeit mental zu kompensieren, kann dabei dazu führen, dass die autistischen Personen nicht als solche erkannt werden. Dies führt nicht selten dazu, dass betroffene Menschen erst im Erwachsenenalter nach Unterstützung suchen und erst dann eine (Verdachts-)Diagnose erhalten.
Quellen
- BfArM. (o. D.). ICD-11 in Deutsch - Entwurfsfassung. BFARMWEB. https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/uebersetzung/_node.html
- BfArM. (2023). ICD-10-GM 2024 systmatisches Verzeichnis. Abgerufen am 1. April 2024, von https://klassifikationen.bfarm.de/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2024/index.htm
- Ehret, A. M. & Berking, M. (2013). DSM-IV und DSM-5: Was hat sich tatsächlich verändert? Verhaltenstherapie, 23(4), 258–266. https://doi.org/10.1159/000356537
- ICD-11. (2023, Januar). ICD-11 For Mortality And Morbidity Statistics. Abgerufen am 8. März 2024, von https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http://id.who.int/icd/entity/437815624
- Livingston, L. A., Shah, P., Milner, V. & Happé, F. (2020). Quantifying compensatory strategies in adults with and without diagnosed autism. Molecular Autism, 11(1). https://doi.org/10.1186/s13229-019-0308-y
- Schnell, T. (2016). Praxisbuch: Moderne Psychotherapie. In Springer eBooks. https://doi.org/10.1007/978-3-662-50315-7
- Vogeley, K. (2015). Zur Sichtbarkeit von Autismus-Spektrum-Störungen im Erwachsenenalter im DSM-5. Die Psych iatrie, 12(2), 94–100.
